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Wie Golf trainieren – Der praktische Unterschied von Training und Üben


Von Michel Monnard

In einem unserer anderen Artikeln haben wir über den Unterschied von Golf Training und Üben gesprochen, und darüber dass nicht beide dasselbe sind.

Hier ein Beispiel wie wir in unseren Kursen zwischen dem Erwerb vom Fähigkeiten (Golf Training) und dem Einsetzen von Fähigkeiten (Üben) unterscheiden.

Kürzlich hatte ich in einem Kurs ein Hcp 36, der mir seine Unregelmässigkeit im Pitchen schilderte. Er treffe den Ball fett (dahinter), dünn (leicht zu hoch) aber auch gut. Natürlich  gibt es mehrere Wege wie wir dies lösen können. Ich habe mich für den folgenden entschieden.

Wie ich sah, konnte er den Ball eigentlich gut treffen, seine Körperposition zeigte, dass er wusste was er tat. Deswegen musste ich ihm nicht zeigen wie er den Ball treffen musste, sondern dafuer sorgen, dass er besser wurde bei dem was er tat.

In diesem Fall habe ich eine Übung genommen, die es dem Golfer schwerer macht, den Ball richtig zu treffen. Dies wird sein Timing besser machen. Wir nutzen manipulierte Übungen, so dass der Körper einen Mehraufwand betreiben muss um das Resultat hinzubekommen. Das ist Golf-Training.

Der Golfer sollte kurze 30 m Pitchschläge machen und dabei die Handgelenke so viel wie möglich beugen/einsetzen. Die kurze Distanz und die entstehende Handgelenk-Geschwindigkeit nötigten den Golfer, das Timing/den Rhythmus zu verändern um den Ball richtig zu treffen.

Der Einsatz der Handgelenke macht den Schaft im Rückschwung kürzer und im Abschwung im Verhältnis zum Boden wieder länger. Dies birgt eine zusätzliche Problematik mit sich, das Timing um den Schaft im richtigen Moment und am richtigen Ort wieder normal oder lang zu machen.

lenghtening shaft - make it normal

Quelle: Brian Manzella

Dieses Bild zeigt einen Golfschaft (blau) wie er im Abschwung länger wird. Die blauen Linien werden im Verhältnis zu den horizontalen grauen Linien länger.

So fragte mich der Golfer: „warum soll ich denn jetzt für diesen 30 m Pitchschlag die Handgelenke einsetzen, obwohl wir bei einem Pitchschlag eigentlich versuchen diese Aktion zu reduzieren? Warum soll ich jetzt komplett was anderes machen als auf dem Golfplatz?“

Die Antwort: „weil wir in diesem Moment nicht Pitchen trainieren, sondern Deine Fähigkeiten den Schläger im richtigen Moment auf den Boden zu bringen um einen guten Treffpunkt zu produzieren.“ Aus der täglichen Erfahrung weiss ich, dass auch wenn wir versuchen die Handgelenk-Aktion beim kurzen Pitch zu reduzieren, entsteht manchmal eben doch etwas mehr Bewegung. Um meinem Golfer quasi eine Lebensversicherung geben zu können (für den Fall…) muss ich ihm Superman-Power in vielen Bereichen beibringen. Nur so kann er, egal was passiert, eine brauchbare Lösung abrufen.

Diese Übung ist also darauf angelegt, die Timing-Kapazität des Golfers zu verbessern. Deswegen manipulieren wir die Bewegung in einer Art und Weise, dass der Golfer die Handgelenksbewegung, die Beschleunigung und andere Segmente korrekt aufeinander timen muss.

Bild 1: Kurzer Schwung mit viel Handgelenk (achtung, wir sagen nicht, dass Pitchen so sein soll)

Bild 2: Finden des richtigen Timings um einen guten Kontakt herstellen zu können.

Bild 3: hier trifft er den Ball fett bei einem der anderen Versuche.

Kommentar des Golfers: „uii, das ist schwierig.“

Ein anderer Vorteil dieser Übung ist neben der Timing-Verbesserung auf jeden Fall dass der Golfer merkt wie Handgelenksaktion beim Pitchen die Konstanz und Distanzkontrolle beeinflusst. Konstanz liegt hier dann nämlich am Bodensee anstatt im Treffpunkt.

Diese andere Übung bei der wir mehrere Bälle hintereinander ohne Unterbrechung schlagen fördert Rhythmus, Stabilität und Balance, Reaktion, Instinkt und bringt Spass ins Training. Ein nicht zu unterschätzender Wert hat auch der Fakt, dass zwischen den kleinen Schritten von Ball zu Ball quasi nicht immer der genau gleiche Abstand zum Ball gefunden wird. Dies zwingt den Körper die Arme leicht vom Körper zu trennen um kurzfristig auf unterschiedliche Distanzen koordinativ eine Lösung finden zu können. Eine fantastische Übung!

Golf Training: Erarbeiten von Fähigkeiten - mehrere Bälle schlagen

Es ist sehr wichtig, dem Golfer zu helfen seine Koordination verbessern zu können um so in einem „unregelmässigen Sport bei dem wir ein unregelmässiges System (der Körper) benutzen“, dennoch brauchbare Resultate liefern zu können.

Dieser letzte Satz dient sicherlich einem neuen Artikel als Titel.

 

Weiter gehts im Golf Training: wir lernen Fähigkeiten auf dem Platz einzusetzen

Diese wundervolle Golferin sagte, dass ihre unregelmässigen Schläge immer von Schlägen die von aussen nach innen und mit tiefen Divots herstammen.

Auch hier gibt es viele Wege nach Rom. Ich entschied mich, dieser Handicap 17 Golferin nicht mehr technische Gedanken zu geben, sondern einen externen Fokus (Orientation zum Ziel). So kann sie die Schwungbewegung die es braucht, selber finden.

Im Golf Training benutze ich die Koordination sehr häufig um Bewegungsbereiche zu verbessern, die dem Golfer dann weniger Konflikte generieren.

Mein Lehrer-Instinkt sagt mir, solche Methoden vor allem mit Spielern zu nutzen, deren Bewegung schon soweit integriert ist, dass konstantes Golf möglich wäre.

Wie ich das tue:

Ich mag es, den Golfer im Golf Training in manipulierte Situationen zu stellen, in denen er sich besser bewegen MUSS um das gewünschte Resultat zu erzielen. Dies nutzt des Golfers interne Koordination anstatt technische Gedanken von aussen.

Diese folgenden Bilder sind bereits von den Momenten, in denen wir die richtigen Lösungen der Bewegungserfahrung auf das Spiel auf dem Platz umsetzen.

Linkes Bild:

Zielorientierung und Ausrichtung nach links vom Ziel. Die Golferin fragt sich mehrere Male mit Blick zum Ziel, wo das Ziel genau liegt anstatt wie sie den Schwung machen soll.

Zweites Bild:

Umorganisierung des Schwungweges und Schlägerblattes im Abschwung und Treffpunkt um den Ball ins Ziel zu bringen. Wir ändern die Ziele und Schläger nach jedem Schlag. So kommen die gleichen Fähigkeiten bei verschiedenen Schlagtypen (Chip, Pitch, kurze und mittlere Eisen, Hybride und Fairwayholz) ins Spiel.

Drittes Bild:

Anstatt zu fühlen wie der Schläger von aussen nach innen kommt, merkt sie nun, dass der Schläger viel flacher und mehr von innen an den Ball kommt. Wir sahen, dass das Schlägerblatt manchmal noch geschlossen an den Ball kam, aber nach ein paar Wiederholungen fand sie raus was Sie tun musste und das Resultat wurde besser.

Ich mochte diese Stunde mit dieser wunderbaren Golferin, die Golf wahrhaftig liebt.

Der Unterschied zwischen Trainieren und Üben ist zwar nur ein Wortspiel, es ist für mich aber wichtig zu wissen wann ich Fähigkeiten verbessern muss und wann ich dem Golfer helfen muss die Anwendung dieser Fähigkeiten zu vereinfachen.